Glossar historischer Begriffe zur Erwachsenenbildung

Fachgruppen
Die Fachgruppen waren seminarförmige, halbautonome Einrichtungen, in denen eine Wissenschaftsverbreitung für Laien, zum Teil auf universitärem Niveau, im Mittelpunkt stand. Dieser demokratische Ansatz der Wissensvermittlung war eine Wiener Besonderheit
Debating Club
Im 18. Jahrhundert waren die Debating Clubs weit verbreitet und es durfte, unabhängig vom Geschlecht, jeder, der wollte, teilnehmen. Die meisten Mitglieder gehörten jedoch der neu entstandenen Mittelschicht an. Ein berühmter Vorläufer der Debating-Clubs war der Rota Club in London. Diese Clubs hatten einen maßgeblichen Anteil an dem Aufkommen der Aufklärung.
Chautauqua
Die Erwachsenenbildungsbewegung des Chautauqua-Movements in den USA entwickelte sich um 1874 aus den methodistischen Summer-Schools. In achtwöchigen Sommerkursen sollten Inhalte der allgemeinen und religiösen Bildung vermittelt werden. In ihren Angeboten kombinierten sie unterhaltende mit bildenden Elementen.
Cotton Mather
Cotton Mather war ein puritanischer Geistlicher und Gelehrter. Sein pädagogisches Ziel war es, das Wissen von anderen zu erweitern und zu vertiefen. Dazu nutzte er neben den Methoden des Predigens und Lehrens, auch das Schreiben und Publizieren sowie den Aufbau und die Weiterentwicklung von Nachbarschaftsclubs. Diskussion und Freiwilligkeit waren zentral. C. Mathers 1710 veröffentlichtes Buch „Bonifacius An Essay Upon the Good…“ In diesem Buch formulierte er sein Nachbarschafts-Konzept.
Antigonish Movement
Kennzeichnend für das Antigonish Movement war es, genossenschaftliche Bestrebungen, Lernformen der Erwachsenenbildung und ländliche Gemeinwesenarbeit zusammen zu führen. Ihr Ziel war es, das Scheitern der Geschäfte zu verhindern und für jede Gemeinde ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln. Unterrichtet wurden genossenschaftliches Wirtschaften, Buchführung, Mathematik, Ökonomie, öffentliches Sprechen und bürgerschaftliches Engagement.
Konfuzius
Konfuzius war Gelehrter und Begründer des Konfuzianismus, Erziehungsphilosoph und Lehrer. Dem lebenslangen Lernen kommt nach Konfuzius ein zentraler Stellenwert zu. Nach ihm macht erst das Lernen den Menschen zum Menschen.
Adult Schools
Quellentext
Das Zitat aus einem exemplarischen Statut macht deutlich, dass in den Adult Schools, neben der Bibel-Lektüre, auch disziplinarische Maßnahmen eine wichtige Rolle spielten.
Benjamin Franklin: Junto Club
Quellentext
Dieser kurze Textauszug aus Franklins Autobiographie beschreibt rückblickend Inhalte, Methoden, Regeln und Auswirkungen des von ihm 1726 gegründeten Diskussionsclubs „Junto“. Parallelen zu diesem Ansatz lassen sich in späteren Konzepten wie dem selbstgesteuerten Lernen und den Study Circles wieder finden.
Das Seminar für freies Volksbildungswesen an der Universität Leipzig
Das Seminar für freies Volksbildungswesen an der Universität Leipzig bestand mit Unterbrechung von 1923 bis 1933. Als einzige universitäre Einrichtung bildete es schwerpunktmäßig Lehrkräfte der Erwachsenenbildung aus bzw. weiter. Die Seminare waren dabei auch für Teilnehmer ohne Hochschulzugang offen. Zunächst war Hermann Heller Leiter, bevor Paul Hermberg nach dessen Ausscheiden übernahm.
Deutsche Schule für Politik
Die Deutsche Schule für Politik wurde 1920 nach französischem Vorbild gegründet. Sie sollte ein Parteien übergreifendes Instrument für die politische Bildung sein. Zielgruppe waren Personen, die sich im Bereich der Politik weiterbilden wollten. In der Nachkriegszeit folgte eine stärkere Akademisierung des Studiums. In den 1950ern waren die Absolventen gefragte Aspiranten für eine berufliche Tätigkeit in den Volkshochschulen der BRD.
Deutsche Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung e.V. (1927)
Die Deutsche Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung e.V. wurde 1927 gegründet. Wilhelm Flitner und Theodor Bäuerle erarbeiteten ein Konzept, dass im Wesentlichen die Qualifizierung von Mitarbeitenden, Lobbyarbeit und Forschungen über die Bedingungen der Erwachsenenbildung vorsah. 1933 wurde sie durch das nationalsozialistische Regime geschlossen. Das Institut kann als Vorläufer des heutigen „Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz Zentrum für Lebenslanges Lernen“ angesehen werden.
Die Einführungsseminare der PAS/DVV (1959)
Die Pädagogische Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (PAS/DVV) wurde Ende 1957 gegründet. Hauptaufgabe war die systematische Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der Volkshochschulen. Sie veranstalteten „Einführungsveranstaltungen“, die auch „Falkenstein-Seminare“ genannt wurden. Eine prägende Figur war Hans Tietgens. Die Seminare waren vor allem auf ein Selbststudium ausgelegt und fanden von 1959-1967 statt. Die PAS war der Vorgänger des „Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz Zentrum für Lebenslanges Lernen“.
Heimvolkshochschule Falkenstein (Hessen) (1961)
Die Heimvolkshochschule Falkenstein wurde 1961 in der Nähe von Frankfurt am Main gegründet. Entscheidende Wegbereiter waren Reinhard Wilke und Gerd Kadelbach. Die Trägerschaft wechselte mehrfach. Ihre Hauptaufgabe in der Erwachsenenbildung war die Fortbildung von Lehrenden. Sie war Austragungsort der Einführungsseminare der PAS/DVV und zudem fanden dort mehr als zwanzig internationale Fachtagungen statt. Das Institut wurde 2001 geschlossen.
Realistische Wende in der Erwachsenenbildung - Prerower Formel (1931)
Quellentext
Vom 31.05. bis 06.06.1931 fand in im Volkshochschulheim Prerow auf dem Darß eine Arbeitstagung über das Thema „Grundfragen der Abendvolkshochschule“ statt. Die Veranstalter waren die Deutsche Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung und der Reichsverband der Volkshochschulen. Die dort verabschiedete Formel, von der im Nachfolgenden ein Auszug zu sehen ist, gilt in der Literatur als der Beleg der realistischen Wende in der Volkshochschularbeit.
Zur Situation und Aufgabe der Erwachsenenbildung (1960)
Gutachten
Das Gutachten gilt als die erste bildungspolitisch bedeutsame Darstellung der Erwachsenenbildung nach 1945. Es hatte im Sinne der Systematisierung des Aufgabenfelds und der Sichtbarkeit von Erwachsenenbildung eine längerfristige Bedeutung. Veranlasst wurde es von Hellmut Becker. Zum ersten Mal werden in diesem Dokument Profil, Öffentliche Anerkennung, Aufstiegswege, eine Ausbildung zum Volksbildner in Verbindung mit den wissenschaftlichen Hochschulen und mit den Möglichkeiten des Zweiten Bildungsweges und Lehrgänge zur Weiterbildung an einem zentralen Institut systematisierend angesprochen.
Karl Benjamin Preusker
Karl Benjamin Preusker (1786-1871) war ein bedeutender Vordenker und Wegbereiter des öffentlichen Bibliothekswesens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1828 gründete er die erste deutsche Stadtbibliothek in Großenhain. Lebenspraktische Wissensvermittlung, heimatkundliche Kenntnisse, Gemeinwohlorientierung und Hilfe zur Selbstbildung waren zentrale Bestandteile seines Volksbildungsbegriffs. Die bildungsreformerischen Bemühungen von K.B. Preusker fanden in seinen späteren Jahren auch öffentliche und staatliche Anerkennung.
Rudolph Zacharias Becker
Rudolf Zacharias Becker (1752-1822) war ein Volksschriftsteller. Er verfasste unter anderem das zweibändige „Not- und Hilfsbüchlein“, das in hohen Auflagen erschien und eins der am meisten verbreiteten Bücher im 18. Jahrhundert in Deutschland war. 1797 gründete er die Becker'sche Buchhandlung in Gotha. Er engagierte sich stark für das Freimaurertum und vertrat aufklärerisches Gedankengut.
Salon
Die Ursprünge des Salons reichen ins 17. Jahrhundert zurück. Der Salon lässt sich als Zusammenkunft von Adligen, Schriftstellern, Künstlern, Gelehrten in privaten Empfangsräumen vornehmer schöngeistiger Damen beschreiben. Die Konversation als Stil wurde hier besonders entwickelt. Es war eine europäische Erscheinung mit Schwerpunkten in Frankreich, England und Deutschland. Salons können als nicht institutionalisierte Lernorte mit einer stark selbst organisierten Lernkultur verstanden werden.
Lesegesellschaften
Die Lesegesellschaft ist eine Organisationsform literarisch interessierter Bürger im 18. Und 19. Jahrhundert. Sie kann als eine frühe Form der Erwachsenenbildung gesehen werden. Trägergruppe der Vereine war das Bürgertum. Bis zu 600 Lesegesellschaften mit 50.000 Mitgliedern werden für den Zeitraum von 1780 bis 1848 in Deutschland angenommen. Der idealtypische Aufbau umfasste: Bibliothek mit Ausrichtung auf aktuelle Literatur und Periodika, Zeitschriften und Zeitungen; Leseräume mit festen Öffnungszeiten; Konversationsraum, auch für Veranstaltungen, ein Saal für gesellige Veranstaltungen und ein Spielzimmer.
Sonntagsschule (1850)
Quellentext
V. Gedrath hat in seiner Dissertation (2003) die lokale Ausbildung der Sonntagsschulen in Duisburg detailreich und quellengesättigt herausgearbeitet. Zu den dokumentierten Funden zählt auch die Satzung des Sonntagsschul-Vereins von 1835. Die zentralen Paragraphen der Textstellen werden im Nachfolgenden erläutert.
Lesegesellschaft in Koblenz
Quellentext
Städtische Lesegesellschaften waren Ende des 18. Jahrhundert ein internationales Massenphänomen. Das zeitgenössische Dokument zum Zweck, Inhalt und Organisationsform einer geplanten Lesegesellschaft in Koblenz 1793 gibt einen guten Einblick über die Reichweite und Rahmenbedingungen dieses Konzeptes.
Emil Adolph Roßmäßler (1874)
Quellentext
Die nachfolgende Textstelle aus Emil Adolph Roßmäßlers Autobiographie "Mein Leben und Streben im Verkehr mit der Natur und dem Volke" beschreibt sein Professionsverständnis als Erwachsenenpädagoge.
Das System der öffentlichen Erziehung (1794)
Quellentext
Die Nationalerziehungserziehungspläne lehnten sich zu dieser Zeit an das Konzept an, das Jean Marie de Condorcet 1794 in seiner Schrift „Sur l’instruction des homes“ entwickelt hatte. Im nachfolgenden Dokument werden zentrale Passagen aufgeführt.
Noth- und Hilfsbüchlein (1788)
Quellentext
Der hier aufgeführte Quellentext zeigt exemplarisch die literarischen Stilmittel, die Rudolph Zacharias Becker verwendete.
„Pflanzschule für tüchtige Communevorsteher und Ständedeputierte“ (1840)
Quellentext
C.Fr.H. Klenze beschrieb im Nachfolgenden „Offenen Brief an die Ständedeputierte“, welcher im Itzehoer Wochenblatt vom 11.09.1840 abgedruckt wurde, Aufbau, Organisationsweise und Unterrichtsinhalte.
Institut für Erwachsenenbildung
Quellentext
In ihrer Studie zur Geschichte der katholischen Erwachsenenbildung in der BRD zwischen 1945 und 1975 hat Margret Fell auch die Entwicklung und Struktur der Aus- und Fortbildungsangebote für die in der Erwachsenenbildung tätigen Mitarbeitenden im katholischen Institut für Erwachsenenbildung vorgestellt. Die folgende Zusammenstellung gibt die Themenstellungen mit Stundenzahlen wieder.
Rahel Varnhagen von Ense
Rahel Varnhagen von Ense (1771-1833) war Begründerin von einem der wichtigsten deutschen Salons. Sie bemühte sich die zeittypischen Beschränkungen weiblicher Bildungsmöglichkeiten zu umgehen und auch die gesellschaftliche Ausgrenzung der Juden zu überwinden. Sie gehörte der Epoche der Romantik an und war Teil der Aufklärung.
Johannes Tews
Johannes Tews (1860-1937) war Dorfschullehrer und Autodidakt. Er war langjähriger Vorsitzender des Dt. Lehrervereins und der Gesellschaft für Volksbildung (GfV). Im Rahmen seiner Lehrertätigkeit setzte er sich stark für eine umfassende, auf mehr Chancengleichheit basierende, Schulreform und für eine akademische Aufwertung des Volksschullehrerberufs ein. Er entwickelte zudem das Konzept der „Einheitsschule“ (1906). Im sogenannten Richtungsstreit „alte“ versus „neue“ Richtung der Volksbildung, war er der Hauptrepräsentant der „alten Richtung“.
Fritz Laack
Fritz Laack (1900-1990) war ein führender Repräsentant der deutschen Erwachsenenbildung des 20. Jahrhunderts. Er bekleidete dabei verschiedene Ämter. Zum Beispiel war er Geschäftsführer der neu gegründeten „Deutschen Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung“, und Mitherausgeber der Zeitschrift „Freie Volksbildung“ Er verfasste Grundlagenwerke zur Geschichte der Erwachsenenbildung, insbesondere zur Heimvolksschule und zur Deutschen Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung.
Gertrud Antonie Hermes
Gertrud Antonie Hermes (1872-1942) leistete bleibende Verdienste zur Entwicklung der Erwachsenbildung. Dabei trug sie einen erheblichen Beitrag zur Professionalisierung der Volksbildung in der Weimarer Republik bei, mit Schwerpunkt auf die lebensweltbezogene Arbeiterbildung. Unter anderem gründete sie das erste Volkshochschulheim in Leipzig-Connewitz und war die Assistentin von Hermann Heller, bevor die NS-Regierung ihr 1933 ein Berufsverbot erteilte. Danach richtete sie ihren Fokus auf historische Arbeiten zur Geschichte Europas.
Lebenslanges Lernen
Condorcets Entwurf der Education Permanente (1793)
Marie Jean Antoine de Condorcet (1743-1794) hat in seiner für die französische Nationalversammlung verfassten Schrift „Bericht und Entwurf einer Verordnung über die allgemeine Organisation des öffentlichen Unterrichtswesens“ (1792)) ein Konzept vorgelegt, nach dem organisierte Bildungsveranstaltungen jeden Menschen ein Leben lang begleiten sollten. Nach seiner Auffassung hatte Erwachsenenbildung eine kompensatorische Funktion für jene, bei denen Bildung kein Teil ihrer Jugend war.