Die Konferenz fand vom 23.-25. Mai 2016 im Deutschen Institut für Erwachsenenbildung Leibniz Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. in Bonn statt. Träger waren das Österreichische Volkshochschularchiv und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. als neuer Kooperationspartner. Die Durchführung der Veranstaltung wurde vom Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV) gefördert. Die Organisation lag bei Klaus Heuer (DIE).

Zentrale Fragen und Themen der Konferenz waren: Wie ist der Stand der Aufbewahrung, Dokumentation und Interpretation zentraler Entwicklungslinien in der Erwachsenenbildung aus historiographischer und das historische Gedächtnis stärkender Perspektive einzuschätzen? Inwieweit wird diese Geschichte mit geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden bearbeitet? Inwieweit gibt es eine pädagogisch zu definierende Eigenständigkeit der historischen Erwachsenenbildungsforschung? Inwieweit bestimmen die jeweiligen Gegenwartserfordernisse das Geschichtsverständnis mit und wie wird das in Theorie und Praxis diskutiert? Sind spezifische Archive zur Sammlung historischer Quellen notwendig, um eine fundierte und breite Erinnerungskultur zu etablieren und ein historisches Bewusstsein der Leistungen der Erwachsenenbildung, aber auch nicht realisierter Alternativen, zu begründen und weiterzuentwickeln?

Die Konferenz, die es mittlerweile seit mehr als 30 Jahren gibt, war immer schon der deutschsprachige Ort, an dem Forschende und Praktiker der Erwachsenenbildung sich austauschten und mit ihren Fachgesprächen eine spezifische Erinnerungskultur aufzubauen halfen. Hier steht jetzt ein Generationswechsel der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an, deren Spezifikum es war, dass sie sich als wissenschaftliche Praktiker verstanden und die Förderung des Geschichtsbewusstseins als Orientierung eben auch für ihre Praxis ansahen. Dieser anstehende Wandel wurde zum Anlass genommen, auch Bilanz über die bisherigen Konferenzen zu ziehen in einem biografischen und fachwissenschaftlichen Modus. Zeitzeugenschaft wurde durch eine moderierte Gesprächsrunde mit langjährigen Teilnehmenden und Referenten präsentiert, und mit einem theoriebezogenen Beitrag zum Wandel der Zeitzeugenschaft und ihrer Gestalt in der Zukunft kritisch hinterfragt.

Der zweite Schwerpunkt der Konferenz bezog sich stärker auf fachwissenschaftliche Themenstellungen. So wurde in einem Vortrag über den Stand der historischen Erwachsenenbildungsforschung mit dem Fokus auf Engführungen in der Gegenstandswahl und zentrale Forschungsdesiderata referiert. In weiteren Beiträgen wurden Thesen zum ungeklärten Verhältnis der Erwachsenenbildung zur historischen Fachwissenschaft und Tendenzen der Abwanderung der historischen Forschung zur Erwachsenenbildung in andere Disziplinen, wie z.B. der Kultur- und Mentalitätsgeschichte, anhand eines Literaturüberblicks vorgestellt.

Den dritten Schwerpunkt bildeten Präsentationen aktueller Beispiele gelebten Geschichtsbewusstseins in der Erwachsenenbildungspraxis, z.B. in Festschriften und Ausstellungen, und Forschungsberichten über aktuelle wissenschaftliche historische Untersuchungen, wie etwa in Dissertationen.
Fokus der Konferenz war es, das Verhältnis zwischen Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein, ihr spezifisches Ergänzungsverhältnis in der Etablierung, aber auch als kontinuitätsstiftende Dimension für die Erwachsenenbildung, genauer zu erfassen und Ansätze ihrer Verstetigung zu entwickeln und zu leben.

 

Themenbereiche und Referenten

I.    Keynote: Geschichte und Wandel der kulturellen Bedeutung von ZeitzeugInnenschaft in der Erwachsenenbildung (Horst Siebert)

II.    Moderierte ZeitzeugInnengesprächsrunde (Bernhard Schossig als Moderator angefragt; Dorothea Braun-Ribbat; Wilhelm Filla, Jörg Wollenberg, Anne-Christel Recknagel, Erhard Schlutz als ZeitzeugInnen angefragt)

III.    Historischer Abriss und Ergebnisse – Schlaglichter auf die bisherigen Konferenzen (Stephan Ganglbauer)

IV.    Erwachsenenbildung und historische Fachwissenschaft – ein ungeklärtes Verhältnis? (Christian H. Stifter)

V.    Forschung über die Geschichte der Erwachsenenbildung – Engführungen und Desiderata (Wilhelm Filla)

VI.    Disziplinäre Migration historischer Auseinandersetzungen mit EB-Geschichte (Klaus Heuer)

VII.    Gelebtes Geschichtsbewusstsein – Fallbeispiele aus der EB-Praxis (offene Ausschreibung)

VIII.    Rezente akademische Abschlussarbeiten und Fachbeiträge – Forschungsberichte (offene Ausschreibung)

 

Programm (PDF)

Letzte Änderung: 04/26/2017