Im Rahmen der Jahrestagung 2022 wird das 50-jährige Jubiläum der DGFE-Sektion Erwachsenenbildung gefeiert. Eine Information und einen Aufruf zur Beteiligung wird es an anderer Stelle, wie der Mitgliederversammlung der Sektion am 14. März 2022 auf dem DGfE-Kongress in Bremen, geben.

Thematik

Wenn die Jahrestagung der Sektion Erwachsenenbildung 2022 an der Europa-Universität Flensburg nach zweijähriger Unterbrechung wieder im Präsenzformat stattfindet, nehmen wir die Corona-Krise zum Anlass für die Thematisierung von Krisen im Kontext von Erwachsenen- und Weiterbildung. Der Titel Re-Konstruktionen zielt dabei explizit darauf, auch andere – ökologische, ökonomische, soziale, psychische, politische oder biografische – Krisenphänomene, die im Kontext von Erwachsenen- und Weiterbildung bedeutsam sind, zum Reflexionsgegenstand zu machen. Krise ist immer mal wieder ein Thema in der Erwachsenenbildung, etwa im Zusammenhang mit der ökologischen Krise ab den 1980er Jahren, hinsichtlich der Bewältigung kritischer Lebensereignisse, im Kontext der politischen Bildung oder in Bezug auf gesellschaftliche Krisenphänomene. Krisen und ihre Bearbeitung sind zudem ein zentrales Thema im thematischen Schnittfeld von Erwachsenenbildung und Biographieforschung, was sich auch in der diesjährigen Kooperation mit der Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung widerspiegelt, deren Jahrestagung zeitgleich an der Europa-Universität Flensburg stattfinden wird.

Die Pandemie bildet den exemplarischen Ausgangspunkt, denn sie hat die Erwachsenenbildung in mehrfacher Hinsicht ge- und betroffen. Die Maßnahmen zur Eindämmung haben den Zugang zu Bildungsangeboten über die Lebenszeit eingeschränkt, institutionelle Strukturen und Arbeitsbedingungen und Erwerbsmöglichkeiten des Personals in der Erwachsenen- und Weiterbildung gefährdet, etablierte Lernorte verschlossen, aber auch im virtuellen Raum neue eröffnet. Gleichzeitig erscheint die Pandemie – wie alle gesellschaftlichen Krisen – als Anlass und Aufforderung zur pädagogischen Bearbeitung. Es gilt nicht nur über eine entsprechende Angebotsstruktur Anschlusslernen und Weiterbildung zu ermöglichen, um entstandene Bildungslücken zu schließen und entgangene Abschlüsse nachzuholen, ebenso sind neue Formate und Inhalte zur kollektiven wie individuellen Verarbeitung von Krisenerfahrungen und zur Krisenbewältigung – sowie allenfalls Prävention – gefragt. Zudem kann Erwachsenenbildung den Reflexionsraum bereithalten, in dem eine kritische Auseinandersetzung mit den sozialen Implikationen dieser und anderer kollektiver Ausnahmeerfahrung stattfinden und kollektive Bildungsprozesse möglich werden können.

Zentrale Fragen

Eine rekonstruktive Perspektive auf die Folgen der Pandemie rückt somit die Handlungsbedingungen, Inhalte, Vermittlungsformen und Bedarfe von Erwachsenen- und Weiterbildung in Krisenzeiten ebenso in den Fokus wie die weitergehenden gesellschaftlichen Folgen, auf die sich Erwachsenenbildung kritisch-reflexiv zu beziehen hat. Mit Blick auf den pädagogischen Handlungsraum stellen sich Fragen nach Personal und struktureller Absicherung, aber auch nach der Veränderung von Bildungsorten und -gelegenheiten, nach Verschiebungen im Verhältnis von informellem und formalem Lernen, nach dem Zugang zu Bildungsangeboten, nach Teilhabechancen und politischer Partizipation. Welche impliziten Lektionen enthält eine Krise, welche expliziten Aufforderungen zur Neu- oder Umorientierung gehen von einer kollektiven Ausnahmeerfahrung aus? Welches subjektive Bewältigungspotential wird biographisch relevant? Wie und wo zeigen sich Wechselwirkungen mit anderen, ökologischen, ökonomischen, sozialen oder politischen Krisenphänomenen, auch im globalen Zusammenhang? Auf welche Weise sind einzelne Bereiche der allgemeinen, beruflichen, politischen und kulturellen Bildung (unterschiedlich) betroffen? Welche Rolle spielt der veränderte Zugang zu Orten der öffentlichen Debatte und die weitgehende Verlagerung des informellen Austausches in den virtuellen Raum für politische Willensbildung und politische Teilhabe?

Die Methodik

Rekonstruktion als methodologischer Ansatz öffnet auch die subjektorientierte Perspektive auf bildungsbiographische Effekte der Pandemie. Hier stellen sich nicht nur Fragen nach dem Umgang mit Unsicherheit, Verunsicherung, Angst und Verletzlichkeit; vielmehr ist es von Bedeutung, ob und auf welche Weise die Pandemie – oder andere Krisenerscheinungen – mit ihren sozialen Begleiterscheinungen auf Bildungsprozesse im Erwachsenenalter wirkt und wie die weitgehende Verlagerung von Aneignung und Vermittlung in den privaten Raum mittels digitaler Kommunikationsformate zukünftig Lernkulturen verändert. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Bildungsverläufe aus?

Eine rekonstruktive Perspektive auf die Folgen der Pandemie kann sich jedoch nicht auf Lernen und Vermittlung beschränken, denn die Pandemie-Bekämpfung prägt auch den öffentlichen Diskurs auf einschneidende Weise. Und sie ist ein in jeder Hinsicht ein globales Phänomen, d.h. ihre reflexive Verarbeitung integriert notwendig eine globale Perspektive. Eine vergleichende Betrachtung von Krisenkommunikation oder desaster education eröffnet Forschungsperspektiven im Hinblick darauf, dass und wie unter dem Paradigma von Katastrophenschutz Rassismus und andere exkludierende Politiken verschärft und demokratische Teilhabestrukturen eingeschränkt werden. Daraus resultieren Fragen nach der Art von Krisenkommunikation und -bewältigung und den damit einhergehenden Verschiebungen im Machtgefüge zwischen Staat und Bevölkerung, die wiederum Gegenstand politischer Erwachsenenbildung werden können.

Call for Papers

Die DGfE Sektion lädt Sie herzlich dazu ein, Beitragsvorschläge für die Jahrestagung einzureichen. Beiträge können sich auf die Corona-Pandemie beziehen oder andere, ökologische, ökonomische, soziale, psychische, organisationale oder politische Krisenthematisierungen behandeln. Sie können nach der Bedeutung individueller wie kollektiver Krisenerfahrung und den vielfältigen Bezugnahmen von Erwachsenenbildung auf Krisen fragen. Zur Rekonstruktion von krisenbezogenen Erfahrungen bietet sich eine Verbindung zur Biographieforschung an. Geplante Beiträge können daher auch Anregungen aus dem Call für die Jahrestagung der Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung aufgreifen, die unter der Überschrift „Krisenthematisierungen in der Qualitativen Bildungsforschung. Krise der Differenz(en) oder Differenz(en) der Krise?“ steht und zeitgleich in Flensburg stattfinden wird. Neben Vorschlägen zu Einzelbeiträgen erbitten wir auch Vorschläge für thematisch zusammenhängende Panels mit drei bzw. vier inhaltlich aufeinander bezogenen Beiträgen. In diesen thematisch fokussierten Panels soll ein vertiefter und besonders verdichteter Austausch über spezifische Aspekte des Themenfeldes möglich werden. Erbeten werden Beiträge, die noch nicht (oder zumindest nur in Teilen) publiziert sind, die sich ausdrücklich auf das Tagungsthema beziehen, eine klare Fragestellung zum Ausgangspunkt haben und an den aktuellen Stand der Forschung und Theoriebildung anschließen. Sie sollten außerdem das methodische Vorgehen bzw. den Argumentationsgang explizieren und Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse präsentieren.

Neben Vorschlägen zu Einzelbeiträgen erbitten Sie auch Vorschläge für thematisch zusammenhängende Panels mit drei bzw. vier inhaltlich aufeinander bezogenen Beiträgen. In diesen thematisch fokussierten Panels soll ein vertiefter und besonders verdichteter Austausch über spezifische Aspekte des Themenfeldes möglich werden. Erbeten werden Beiträge, die noch nicht (oder zumindest nur in Teilen) publiziert sind, die sich ausdrücklich auf das Tagungsthema beziehen, eine klare Fragestellung zum Ausgangspunkt haben und an den aktuellen Stand der Forschung und Theoriebildung anschließen. Sie sollten außerdem das methodische Vorgehen bzw. den Argumentationsgang explizieren und Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse präsentieren.

Abgabefrist ist der 01.03.2022. Nutzen Sie zur Einreichung bitte ausschließlich Conftool.

  • einen Abstract zu einem Einzelbeitrag (max. 2500 Zeichen) oder
  • einen Abstract (max. 2500 Zeichen) zu einem Panel mit Ihrer Vorstellung der übergreifenden
    Themenstellung des ganzen Panels samt der max. vier Panelbeiträge (max. 10.000 Zeichen)

Rückfragen richten Sie sich bitte an sektionstagung-eb2022@uni-flensburg.de 

Call for Posters

Im Rahmen der diesjährigen Tagung besteht erneut die Möglichkeit, Poster zu präsentieren und zu diskutieren. Die Postersession soll als zusätzliches und eigenständiges Präsentationsformat Raum für Information und Austausch über aktuell laufende oder kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekte zum Tagungsthema sowie darüber hinaus bieten.
Der Call for Posters richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der
Qualifikationsphase sowie an etablierte Forscherinnen und Forscher. Die Vorstellung und Diskussion der Poster wird in Roundtables realisiert. Zudem werden die Poster für die Tagungsöffentlichkeit ausgestellt.

Das beste Poster der Jahrestagung wird mit einem von wbv Publikation gestifteten Posterpreis
prämiert. Siehe zu den letzten Jahren:

2021 

2019

2018

Informationen zur Postergestaltung:
Die Postergröße sollte DIN A0 (118,9 x 84,1 cm) entsprechen; insgesamt ist zu empfehlen, gemäß des Präsentationsformats, den Textanteil gering zu halten und vor allem Visualisierungen einzusetzen.

Ein schriftliches Abstract Ihres Posterbeitrags im Umfang von max. 2000 Zeichen senden Sie bitte bis zum 17.06.2022 per E-Mail an: sektionstagung-eb2022@uni-flensburg.de

Date/Termin:
14.-16. September 2022
Venue/Ort:
Universität Flensburg
Adressaten:
Interessierte
Fee/Kosten:
-