Das 20. DIE-Forum Weiterbildung fand am 12. Dezember 2017 im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Siegburger Michaelsberg statt. Hier finden Sie das Begleitheft zur Veranstaltung mit Informationen zu Referenten, Arbeitsgruppen und Themen:

 

DIE-FORUM WEITERBILDUNG 2017 – Einmischen, positionieren, verständigen. Erwachsenenbildung und Öffentlichkeit.

Konstruktives Streiten ist eine notwendige Grundlage demokratischen Zusammenlebens und gleichzeitig eine ständige Herausforderung für die öffentliche Debattenkultur. Die organisierte Erwachsenenbildung ist Teil dieser Debattenkultur, indem sie Räume für Auseinandersetzung und das Einüben argumentativen Streitens schafft oder sich selbst zu aktuellen Themen öffentlich verhält. Die lebhaften Diskussionen des letztjährigen DIE-Forums sind Anlass für uns gewesen, den Beitrag der Erwachsenenbildung zur öffentlichen und demokratischen Meinungs- und Wissensbildung zu beleuchten.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, eröffnete das DIE-Forum mit einem Vortrag zum Thema „#Demokratie: Was kann, darf, muss politische Bildung für Erwachsene?“ Er beschrieb Herausforderungen für die politische Bildung, die sich aus den veränderten Bedingungen und Strukturen der Öffentlichkeit ergeben. Seine Keynote war ein Plädoyer für die Förderung der Debattenkultur und das Miteinander-Streiten.

In insgesamt vier Arbeitsgruppen wurden verschiedene Foki auf das Thema Öffentlichkeit und Erwachsenenbildung gerichtet: die Rolle der Erwachsenenbildung für die Öffentlichkeit aus einer historischen Perspektive, die aktuellen Herausforderungen angesichts digitaler Öffentlichkeiten, Weiterbildungseinrichtungen als Teil des öffentlichen Diskurses sowie Orte von Öffentlichkeit. Die Beiträge waren eine gelungene Mischung aus Praxis und Wissenschaft und boten Raum für intensiven und lebendigen Austausch zwischen den Expertinnen und Experten und den Teilnehmenden.

Den Abschluss bildete ein „Philosophisches Café“, das von dem philosophischen Praktiker Markus Melchers moderiert wurde. Mit kurzen Statements zum Thema „Zwischen ‚Sprechverboten‘ und ‚Das wird man ja wohl noch sagen dürfen‘: Wie viel Auseinandersetzung braucht die Erwachsenenbildung?“ setzte er eine angeregte Diskussion über die Grenzen des Sagbaren im Allgemeinen und im Kontext erwachsenenpädagogischer Praxis in Gang. Im Verlauf wurden der Unterschied zwischen dem Handeln als professionell Tätiger und als Privatperson reflektiert und die Differenz zwischen Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Rechtmäßigkeit betont, deren Grenzen in der heutigen Debattenkultur immer stärker zu verschwimmen scheinen. Dies war ein  gelungener Abschluss der Veranstaltung, die „Öffentlichkeit“ und „Debatte(nkultur)“ nicht nur zum inhaltlichen Schwerpunkt hatte, sondern auch praktisch vollzog – ganz in der Tradition des Tagungsortes, der ehemaligen Abtei Michaelsberg in Siegburg, der neuen Heimatstätte des Katholisch-Sozialen Instituts. Spannend zu sehen war, dass die Teilnehmenden auch nach dem offiziellen Ende die Diskussionen in kleinen Kreisen weiterführten, so dass das diesjährige DIE-Forum mehr als Zwischenfazit denn als Resümee einer wichtigen Auseinandersetzung innerhalb der Erwachsenenbildung und darüber hinaus gesehen werden kann.

Das waren die vier Arbeitsgruppen

AG 1   Aus der Öffentlichkeit – für die Öffentlichkeit. Erwachsenenbildung im Zeitverlauf

Die Entstehung der heutigen Träger- und Einrichtungslandschaft geht u.a. zurück auf gesellschafts- und bildungspolitische Debatten der 1960er und 1970er Jahre. In deren Folge wurde Weiterbildung als öffentlich verantworteter Auftrag verankert, der auch heute noch die Daseinsberechtigung für viele Einrichtungen bildet. Auch jenseits dieser staatlichen Einbettung gibt es heute eine Vielzahl von Einrichtungen, die einen „Bildungsauftrag“ für sich reklamieren. So wurden in den 1970er und 1980er Jahren – aus dem Umfeld der Neuen Sozialen Bewegungen heraus – viele Einrichtungen gegründet, die sich als Teil der öffentlichen Sphäre, ja sogar als „Gegenöffentlichkeit“ verstanden und in diesem Sinne eine „andere“ Bildungsarbeit betrieben.

Wie hat sich dieser Bildungsauftrag zwischen „Öffentlichkeit“ und „Gegenöffentlichkeit“ im Zeitverlauf gewandelt? Welche Debatten und Diskurse waren prägend? Wie wurden die Einrichtungen in ihrer pädagogischen Arbeit beeinflusst? Welche Positionen haben öffentliche, konfessionell gebundene oder freie Träger dabei vertreten? Wie hat sich dadurch die Rolle der organisierten Erwachsenenbildung im öffentlichen Raum insgesamt gewandelt? Und wie schlägt sich das in aktuellen Debatten und Standpunkten nieder?

 

Von links: Detlef Vonde (Bergische Volkshochschule, Solingen-Wuppertal), Matthias Alke (DIE), Susanne Maurer (Philipps-Universität Marburg), Andreas Seiverth (ehemals Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung, DEAE) 

AG 2   Einmischen. Digitale Öffentlichkeit und Herausforderungen der Erwachsenenbildung

Der digitale Raum etabliert sich immer stärker als öffentlicher Ort, in dem Austausch, Diskussionen und Meinungsbildung stattfinden sowie neue Formen des Einmischens, des Engagements und der politischen Teilhabe ermöglicht werden. Zugleich erzeugt der digitale Raum auch eine destruktive Kraft, indem hier im Schutz des Anonymen Diskurse wuchern und befeuert werden. Zwar vermögen es die sozialen Medien im digitalen Raum, Menschen über große geografische Entfernungen zusammenzubringen, untergraben aber gleichzeitig angesichts zersplitternder Diskurse durch eine Vielzahl an Teilöffentlichkeiten die soziale Kohäsion. Partizipation, Netzaufklärung und Medienkompetenz werden deshalb zu zentralen Herausforderungen im Zuge einer zunehmend digitalen Öffentlichkeit.

Wie kann die digitale Partizipation von Erwachsenen unterstützt werden? Welche Kompetenzen benötigen sie für den Austausch und Umgang im Netz? Welchen Beitrag kann die Erwachsenbildung hier leisten?

 

Von links: Jochen Robes (Berater Human Resources, Corporate Learning), Tine Nowak (Universität zu Köln), Caja Thimm (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), Peter Brandt (DIE) 

AG 3   Positionieren. Standpunkte der Erwachsenenbildung im öffentlichen Diskurs

Erwachsenenbildung ist im Zuge der Debatten um die Integration von Geflüchteten wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt. Zum einen wurde sie zum Gegenstand öffentlicher Debatten gemacht und zum anderen haben sich einzelne Einrichtungen oder Verbände aktiv in die Auseinandersetzungen um erwachsenenpädagogische Aufgaben und Fragen der Umsetzbarkeit eingebracht. In dieser Hinsicht gestaltet die organisierte Erwachsenenbildung aktiv Öffentlichkeit mit und nimmt Einfluss auf gesellschaftspolitische Diskurse.

Durch welche Maßnahmen und Themen gestaltet sie Öffentlichkeit mit und übt Einfluss auf Debatten aus? Welche Interessen vertritt sie und zu welchen Themen positioniert sie sich? Wie nehmen Akteure aus den unterschiedlichen Bereichen der Erwachsenenbildung ihre Rolle wahr? Wie können die unterschiedlichen Akteure (z.B. Einrichtungen, Verbände, Netzwerke, Wissenschaft) Diskurse anstoßen und zu einer angemessenen Debattenkultur beitragen?

Von links: Walter Würfel (Bundesverband der Träger beruflichen Bildung), Ulrich Aengenvoort (Deutscher Volkshochschul-Verband), Prof. Dr. Ralph Bergold (Katholisch-Soziales Institut, Siegburg), Dr. Sabine Fandrych (Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn), Dr. Sarah Widany (DIE) 

AG 4   Verständigen. Erwachsenenbildung als Raum für öffentliche Begegnung und Auseinandersetzung

Ein erklärtes Ziel von Erwachsenenbildung ist es, Menschen dazu zu befähigen, sich für ihre Interessen einzusetzen und am öffentlichen Diskurs teilzuhaben, indem sie beispielsweise Foren der Begegnung, des Austauschs und der Diskussion etabliert oder auch Angebote der Aufklärung, Wissensvermittlung und Kompetenzentwicklung unterbreitet.

Die Arbeitsgruppe nimmt durch die Erwachsenenbildung geschaffenen Räume für den öffentlichen Austausch in den Blick und widmet sich den Fragen: Für welche Themen stellt Erwachsenenbildung Öffentlichkeit her? Welche Herausforderungen ergeben sich hierbei aktuell und zukünftig? Welche Rolle kann und möchte Erwachsenenbildung übernehmen und wo liegen Grenzen? Wie tolerant kann und darf die organisierte Erwachsenenbildung sein, was muss sie aushalten? Welche aktuellen Erfahrungen, Projekte, Praxisbeispiele gibt es?

Von links: Jan Rohwerder (DIE), Dr. Joachim Twisselmann (Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad), Dr. Sabine Koppe (Kreisvolkshochschule Vorpommern-Rügen), Prof. Dr. Helmut Bremer (Universität Duisburg-Essen)

Letzte Änderung: 12/20/2017